Welche Hallenart eignet sich am besten für mein Unternehmen?

Zweifelsohne entscheidet die spätere Nutzungsart einer Halle über die geeignete Bauweise. Montage-, Fabrik- und Lagerhallen stellen beispielsweise komplett andere Anforderungen an die Konstruktion und die technische Ausstattung als Sporthallen oder Ausstellungshallen.

Standen in der Vergangenheit oft bauliche Beschränkungen großen Tragweiten im Weg und blieben Hallenbauten so lange Zeit auf Paläste und Klöster beschränkt, bieten moderne Baumaterialien eine wesentlich größere Flexibilität. Mit der Nutzung von Stahl und Stahlbeton als Baustoff und der aufkommenden Industrialisierung im 18. Jahrhundert verbreiteten sich Hallen zunehmend auch im Industrie- und Gewerbebau. 


Mit dem Fagus-Werk des Architekten Walter Gropius entstand 1911 in Alfeld das Leitbild einer modernen Industriehalle. Weitere Maßstäbe setzte die AEG-Turbinenhalle in Berlin, die 1909 durch Peter Behrens konzipiert wurde. Inzwischen kommen oft standardisierte Fertig- und Systemhallen zum Einsatz, die durch geringe Baukosten und hohe Flexibilität überzeugen.

Welche Hallenarten gibt es?

Grundsätzlich unterscheiden sich zwei Bauweisen maßgeblich voneinander:

  1. Massivbauweise
  2. Systembauweise als Stahlkonstruktion

Massivbauten sind für gewöhnlich individuell geplante Gebäude, deren Wände aus Mauerwerk oder Beton erstellt sind. Das kostet jeweils wertvolle Bauzeit – und damit entstehen Kosten. Auch bestehen Beschränkungen hinsichtlich der Spannweiten von Stahlbeton, sodass sich kaum größere Tragweiten ohne Zwischenstützen realisieren lassen. Meist kommen bei Betonhallen stabartige Tragwerke oder Flächentragwerke zum Einsatz.

Stahlbauten sind sowohl als individuell geplante Hallen als auch als Systemhallen weit verbreitet. Sie überzeugen durch hohe Flexibilität, kurze Bauzeiten und ermöglichen große Spannweiten ohne störende Stützen. Optimale statische Eigenschaften gestatten zahlreiche Konstruktionsarten. Gleichzeitig hat Stahl den Vorteil der Recyclingfähigkeit ohne Qualitätsverluste, was den Baustoff besonders nachhaltig macht.

Daneben gibt es in der Architektur weitere Bauarten wie den Fertig-Leichtbau mit Holzkonstruktionen. Dieser eignet sich nicht zuletzt aufgrund der hohen Anforderungen an Tragkraft, Brand- und Schallschutz eher selten für den Industrie- und Gewerbebau.

Welche Anforderungen soll die Halle erfüllen?

Bei der Frage, welche Hallenart letztlich am besten geeignet ist, stehen am Anfang verschiedene Fragen zur Debatte. Die betreffen beispielsweise:

  • Nutzungsart
  • Flächenbedarf
  • Anzahl und Ausstattung von Arbeitsplätzen
  • Kundenverkehr
  • Anforderungen an Brand- oder Schallschutz
  • geplante technische Ausstattung
  • Grundstück
  • zukünftiges Erweiterungspotenzial

Die Beantwortung dieser Fragen gibt bereits Aufschluss über das grobe Gestaltungskonzept der Halle sowie geeignet Baustoffe. Die Entscheidung wird im Industrie- und Gewerbebau dabei oft zugunsten einer Systemhalle ausfallen. Diese bringt gleich mehrere Vorteile mit sich.

Vorteile von Systemhallen für den Industrie- und Gewerbebau

Systemhallen werden mit einem hohen Vorfertigungsgrad errichtet, ohne jedoch die individuellen Bedürfnisse ihrer Kunden zu vernachlässigen. So besteht eine vielfältige Auswahl zwischen verschiedenen Dämmstärken und -materialien, Oberflächenveredelungen, Fenstern, Türen und Toren. Sogar Glasfassaden und verschiedene Dachformen sind problemlos realisierbar. Auf den Hallenbau spezialisierte Unternehmen ermitteln dazu in Beratungsgesprächen die Anforderungen und Wünsche und erstellen kostengünstige Konzepte nach Maß.
Auf der Baustelle erfolgt dann im Wesentlichen nur noch die Montage der Einzelteile auf einer Bodenplatte. Das ermöglicht kurze Bauzeiten von nur wenigen Wochen.

So ist bei Bedarf auch eine sehr kurzfristige Nutzung möglich. Sowohl der hohe Vorfertigungsgrad als auch die kurzen Bauzeiten führen zu einem Preisvorteil von Systemhallen gegenüber individuellen Planungskonzepten. Da sich auch erneuerbare Energiekonzepte wie Photovoltaikanlagen bei der Planung berücksichtigen lassen, lässt sich auch ein besonders günstiger laufender und gleichzeitig nachhaltiger Betrieb erzielen.
Durch Stahlträger und -stützen sind extrem hohe Tragweiten ohne Stützen möglich. So besteht im Inneren die maximale Flexibilität bei der Raumnutzung. Auch spätere Erweiterungen oder Nutzungsänderungen sind dabei unproblematisch realisierbar.

Welche Hallenarten eignen sich für Systemhallen?

Die Vielfalt unterschiedlicher Baumaterialien, Dämmsysteme und Oberflächenveredelungen erweitert die Einsatzbereiche von Systemhallen über Produktions- und Lagerzwecke hinaus. Möglich sind beispielsweise

Dabei hat jede Halle ganz eigene Anforderungen an ihre Größe, Ausstattung und Funktionalität. Teilweise spielen kurze Arbeitswege und logistische Prozesse eine herausragende Rolle bei der Planung, manchmal steht die Repräsentativität im Vordergrund. Im Umgang mit Gefahrstoffen wiederum gelten besonders strenge Vorschriften hinsichtlich Brandschutz.

Welche Individualisierungsmöglichkeiten stehen zur Verfügung?

Abhängig von der Nutzungsart ist das Bedürfnis nach einer Individualisierung der Halle größer oder kleiner. Besteht Kundenkontakt soll die Halle in der Regel auch repräsentativ sein und das Unternehmen oder die Marke nach außen hin abbilden. Hier stehen ganz unterschiedliche Optionen zur Verfügung, um der Halle ein einzigartiges Erscheinungsbild zu geben:


Türen und Tore sind in vielen Farben und Formen erhältlich. Bei Systemhallen lassen sich Rolltore ebenso einbauen wie Sektional- oder Schiebetore. Die Platzierung der Tore ist fast ohne Einschränkung am Raster der Tragkonstruktion möglich, sodass sie auch stets dort einsetzbar sind, wo sie für effiziente Arbeitsabläufe sinnvoll erscheinen.


Fenster gibt es ebenfalls in zahlreichen Varianten. Die flexiblen Raster der Stahlkonstruktion gestatten eine individuelle Platzierung zur optimalen Belichtung der Innenräume. Auch komplette Glasfassaden für Ausstellungshallen können mühelos an die Stahlkonstruktion montiert werden.


Fassaden dienen rein funktional zunächst der Versteifung der Tragkonstruktion. Daneben erfüllen sie den Zweck der Wärmedämmung, tragen durch ihre Oberfläche aber auch maßgeblich zum Gesamteindruck des Gebäudes bei. Trapezbleche, Sandwichpaneele oder

Kassettenwände sind mit unterschiedlichen Oberflächen verfügbar – und erfüllen ganz nebenbei noch Anforderungen an Brand- und Schallschutz.


Die Dachform bestimmt zum einen die Funktionalität im Inneren, wirkt sich jedoch ebenfalls nach außen hin aus. Gängige Dachformen sind Sattel- und Pultdächer – auch hier stehen verschiedene Dämmstärken und Oberflächen in verschiedenen Farben zur Auswahl.

Daneben erfüllen Oberlichter und Lichtbänder die für angenehme Arbeitsbedingungen wichtige Funktion der Durchflutung des Gebäudes mit Tageslicht und dienen eventuell auch als RWA. Auch entsprechend der Nutzungsart vorherrschende Vorschriften zum Brand- und Schallschutz lassen sich durch die Wahl von Baustoffen und Dämmstärken problemlos erfüllen. Schließlich ist der optionale Einbau thermischer Anlagen wie beispielsweise von Lüftungs- und Heizungssystemen ebenso möglich wie von produktionsbedingten Einbauten wie z. B. Kranbahnen.
 

Fazit

Für den Industrie- und Gewerbebauten sind Systemhallen aufgrund ihrer hohen Funktionalität, der flexiblen Nutzung, geringen Baukosten und kurzen Bauzeiten bei gleichzeitiger Berücksichtigung individueller Bedürfnisse eine hervorragende Lösung, die gegenüber Betonbauten im Vorteil sind. Damit die Halle am Ende auch alle Anforderungen erfüllt, ist es sinnvoll, gemeinsam mit einem Experten in einem persönlichen Beratungsgespräch ein effizientes Gestaltungskonzept zu erarbeiten.

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