Verglasungsarten für Stahlhallen

Eine Verglasung ist per Definition der Verschluss einer Öffnung mit einem flächigen Glaselement. In der Gebäudehülle dient die Verglasung neben dem Witterungsschutz dabei vor allem dem Einfall von Tageslicht in die Stahlhalle. Damit einher gehen je nach Hallentyp Anforderungen an Wärme-, Sonnen- oder Brandschutz sowie unter Umständen die Sicherheit.
 

Verglasungsvarianten

Wurden Fenster- und Türöffnungen in der Vergangenheit mit einer Einfachverglasung geschlossen, spielen seit den Siebzigerjahren energetische Aspekte eine Rolle. Damit erfolgte ein Hinwenden zu Zweifach-, später auch zur Dreifachverglasung.
 

Zweifachverglasung


Bei zweifach verglasten Fenstern sind vor allem zwei Angaben entscheidend:

  • Der U-Wert gibt an, wie gut das Fenster gegen die Außentemperaturen geschützt ist. Laut EnEV darf dieser Wert nicht mehr als 1,3 W/m²K betragen.
  • Der G-Wert hingegen trifft eine prozentuale Aussage darüber, wie hoch der Energiedurchlassgrad von außen ins Innere des Gebäudes ist und damit z. B. zur Erwärmung beiträgt. Bei zweifach verglasten Fenstern liegt dieser Wert bei rund 0,63 (63 %), die Lichtdurchlässigkeit liegt bei 80 %.
     
Dreifachverglasung


Eine dritte Glasscheibe sorgt hier gegenüber der Zweifachverglasung für einen verbesserten Schallschutz und mit 0,7 W/m²K für einen niedrigeren U-Wert. Die Energieeffizienz ist damit höher. Gleichzeitig nimmt der Energiedurchlassgrad auf etwa 0,51 (51 %) ab, die Lichtdurchlässigkeit sinkt auf 72 %.

Aufgrund der hohen Kosten kommen dreifach verglaste Fenster vor allem im Wohnungsbau zum Einsatz. Bei Stahlhallen sind zweifach verglaste Fenster weit verbreitet.
 

Festverglasung vs. bewegliche Fensterelemente


Nicht jedes Fensterelement muss sich zu Belüftungszwecken oder als Fluchtweg öffnen lassen. Für eine Belichtung mit Tageslicht reichen oft auch fest verbaute Glaselemente aus, die anstelle der Wandverkleidung in die Gebäudehülle eingesetzt werden. Der Vorteil gegenüber beweglichen Elementen ist das geringere Risiko von erforderlichen Reparaturen, Dichtigkeit, d. h. das Ausbleiben von Zugluft, sowie ein geringeres Einbruchrisiko. Dabei ist bei der Wahl des Glases auf eine ausreichende Dämmfunktion zu achten, damit hier keine Kältebrücke entsteht. 
 

Besondere Verglasungsarten

Während Standardfenster keine zusätzlichen Funktionen neben dem Wärmeschutz erfüllen, bieten spezielle Verglasungsarten weitere Einsatzmöglichkeiten an.

  • Einscheiben- oder Verbundsicherheitsglas ist durchschlagsicher und schützt vor Einbrüchen. Beim Brechen bildet es keine Scherben, sondern bleibt entweder flächig erhalten oder zerfällt in Einzelteile ohne scharfe Kanten.
  • Schallschutzglas bietet einen erhöhten Schallschutz. 
  • Brandschutzglas verfügt über besondere Eigenschaften hinsichtlich der Feuerwiderstandsklasse. Sie sind immer Festverglasungen in Holz- oder Stahlrahmen und durch Glasstärken von 8-10 cm mit einem Eigengewicht von bis zu 40 kg/m erheblich schwerer und auch teurer als herkömmliche Verglasungsarten.
  • Sonnenschutzglas ist auf der Außenseite mit einer speziellen Schicht behandelt, die einen Teil des Sonnenlichts absorbiert und damit das Aufheizen des Gebäudes verringert, ohne den Lichteinfall zu beeinträchtigen.

Das passende Glas für die Stahlhalle

Stahlhallen haben ganz unterschiedliche Nutzungszwecke. Entsprechend vielfältig sind auch die Ansprüche an die Verglasung. Während eine einfache Lagerhalle kaum Ansprüche an die Belichtung stellt, bedarf es bei einer Fertigungshalle einer ausreichenden Versorgung aller Arbeitsplätze mit Tageslicht. Möglicherweise dienen Oberlichter hier gleichzeitig als RWA und/oder natürliche Lüftungsanlage. 
 

Diesem rein funktionellen Anspruch stehen Bürogebäude gegenüber, die gleichzeitig eine Anlaufstelle für Kunden sind und damit auch repräsentativen Ansprüchen genügen müssen. Autohäuser hingegen benötigen ausladende Glasfronten, um die Verkaufsfläche auch von außen einsehbar zu gestalten.
 

Glasfassaden


Glasfassaden stellen vor allem hinsichtlich Sonnenschutz und Dämmfunktion eine Herausforderung dar, bieten jedoch vielseitige Möglichkeiten einer repräsentativen Gebäudefront. Im Hallenbau kommt der Montage hier gelegen, dass die Elemente mittels Haltevorrichtungen oder Punkthaltern direkt auf die Stahlkonstruktion montiert werden können.

Bei der Glasfassade ist der Großteil der Verglasung in der Regel feststehend. Lediglich einzelne Elemente sind mit einer manuellen oder automatischen Öffnungsfunktion versehen.
 

Fenster


Klassische Fenster, extravagante Bullaugen oder bodentiefe Ausführungen versorgen Büro- und Verwaltungsräume mit ausreichend Tageslicht. Die Fensterrahmen sind aus Aluminium oder Kunststoff und tragen durch unterschiedliche Farbvarianten maßgeblich zur Außenwirkung der Halle bei.


Tore


Neben Fenstern und Lichtöffnungen auf dem Dach ist der Einbau von Toren möglich, die über einzelne transparente Elemente (meist aus Plexiglas) verfügen und damit ebenfalls zur Belichtung des Innenraums beitragen. Möglich sind derartige Elemente bei Sektionaltoren ebenso wie bei Falt- oder Rolltoren, Schiebe- oder Pendeltoren.
 

Lichtkuppeln

Lichtkuppeln haben gegenüber Fenstern in der Wand einen entscheidenden Vorteil: Nimmt bei Fenstern die Helligkeit mit zunehmendem Abstand von der Lichteinfallsquelle deutlich ab, bleibt die Belichtung unter einer Lichtkuppel auch bei einer hohen Hallendecke fast unverändert erhalten.

Lichtkuppeln eignen sich ausschließlich für Flachdachbauten. Auch hier gibt es festverglaste und öffenbare Varianten. Tragen erstere lediglich zur Belichtung bei, dienen zweitgenannte auch der Belüftung. Möglich sind dabei zudem flache Verglasungen oder gewölbte Lichtkuppeln für einen maximalen Lichteinfall. Neben Glas kommen Acrylglas oder Polycarbonat als transparente Flächen in Frage, wobei die Anzahl der Schalen von ein- bis vierschalig variieren kann.

Die Bedienung der Fenster erfolgt entweder automatisch oder manuell, selbstreinigende Effekte verhindern ein allzu häufiges Reinigen der Kuppeln vom Dach aus.

In der Ausführung als Rauch-Wärme-Abzug leisten die Fenster zudem einen Beitrag beim Brandschutz: Im Ernstfall öffnen sich die entsprechenden Kuppeln, führen heiße Luft ab und verlängern so die Standfestigkeit der Gebäudehülle. Zudem zieht Rauch über die Anlagen ab, sodass Fluchtwege für einen längeren Zeitraum gefahrlos nutzbar sind.
 

Darüber hinaus kann eine Lichtkuppel zum Ausstieg auf das Dach genutzt werden - sofern diese in Stahlhallen von unten aus zugänglich ist. Sind häufigere Arbeiten auf dem Dach erforderlich, sollten die Lichtkuppeln unbedingt durchsturzsicher ausgeführt sein, um ein Unfallrisiko hier auszuschließen. Die meisten Modelle bieten dies jedoch standardmäßig an.

Bei Lichtkuppeln auf dem Flachdach ist eine sorgfältige Montage besonders wichtig, um zu verhindern, dass Feuchtigkeit in das Dach gelangen kann.

 

Lichtbänder

 

Im Gegensatz zu Lichtkuppeln spenden Lichtbänder über die komplette Länge Tageslicht. Da keine einzelnen Dachausschnitte isoliert werden, ist der Einbau vergleichsweise günstiger. Auch hier besteht die Wahlmöglichkeit zwischen Festverglasung und öffenbaren Fenstern, wobei die transparente Fläche ebenfalls entweder aus mehrschaligen thermoplastischen Kunststoffen, z. B. Acrylglas, Polycarbonat oder duroplastischen Kunststoffen wie glasfaserverstärkten, ungesättigten Polyesterharzen hergestellt ist.
 

Für die Lichtdurchflutung einer Stahlhalle stehen viele Variationen für jeden Einsatzbereich zur Verfügung. So bieten Hersteller nicht nur funktionelle Lösungen, die dem aktuellen Stand von Brand-, Lärm- und Wärmeschutzanforderungen sowie arbeitsschutzrechtlichen Bestimmungen entsprechen, auch ästhetische Aspekte lassen sich bei Planung und Gestaltung perfekt auf die eigenen Ansprüche abstimmen.
 

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