Hallenheizungen für Lagerhallen

Empfindliches Lagergut, ganzjährige Arbeitsplätze oder offene Hallentore – eine Hallenheizung ist für ein gleichmäßiges Raumklima von großer Bedeutung für Industrie- und Gewerbehallen – und bringt dabei zahlreiche Herausforderungen mit sich.

Relevanz von Hallenheizungen 

In Lagerhallen kommt es bei empfindlichem Lagergut auf ganzjährig konstante Temperaturen und eine gleichbleibende Luftfeuchtigkeit an. Produktions- und Werkstatthallen hingegen erfordern eine gesetzlich geregelte Mindesttemperatur an Arbeitsplätzen. Diese betragen nach DIN EN 12831 beispielsweise:

  • Fertigungs- und Werkstatträume 15°C
  • Fertigung und Werkstatträume bei überwiegend sitzenden Tätigkeiten 20°C
  • Ausstellungshallen 15°C

ASR 6 legt zudem als Mindesttemperaturen fest:

  • überwiegend sitzende Tätigkeiten 19°C
  • nicht überwiegend sitzende Tätigkeiten 17°C
  • schwere körperliche Arbeiten 12°C
  • Verkaufsräume 19°C

Hinzu kommen maximale Luftstromgeschwindigkeiten von 0,2 m/s bei leichten sitzenden Tätigkeiten sowie 0,5 m/s bei schweren körperlichen Arbeiten. Und auch die Luftfeuchte ist mit 35 bis 65% geregelt.
 

 

 

Herausforderungen bei der Beheizung von Hallen

Industrie- und Gewerbehallen bringen für Hallenheizungen je nach Nutzungsart spezifische Herausforderungen mit sich. 

  • So verhindern Hochregale in Lagerhallen die uneingeschränkte Zirkulation von Luft. 
  • In Produktionshallen gibt es oft unterschiedliche Arbeitsbereiche und Logistikflächen mit verschiedenen optimalen Lufttemperaturen, wobei teilweise Wärmelasten durch produktionsbedingte Wärmequellen entstehen. 
  • Zugluft und die Aufwirbelung von Staub durch Lüftungsanlagen ist störend für Produktionsprozesse und wird seitens der Mitarbeitenden als unangenehm empfunden. 
  • In Werkstatthallen stehen Tore mehrfach täglich offen, sodass warme Luft bei kalten Temperaturen entweichen kann und die Effizienz der Heizleistung enorm verringert
  • Zu nennen sind auch unregelmäßige Nutzungszeiten wie beispielsweise die Beschränkung auf Werktage oder ein Schichtbetrieb, der ein durchgängiges Beheizen nicht wirtschaftlich erscheinen lässt. Gleichzeitig sind hier kurze Vorlaufzeiten für das Vorheizen der Anlage von Bedeutung. 
  • Schließlich stellen auch die großen Raumhöhen ein Problem dar, da die warme Luft nach oben steigt, während die Temperatur in Bodennähe kaum ansteigt. 
  • Vor allem bei älteren Hallen fehlt es an einer effizienten Wärmedämmung im Wand- und Dachbereich.

Arten von Hallenheizungen

Zur Beheizung von Lager- und Produktionshallen bieten sich ganz unterschiedliche Heizsysteme an. Klassische Konvektorheizungen eignen sich dabei in der Regel nicht für Hallen, da das Erwärmen der Luft über Heizkörper Zugluft verursacht, Staub aufwirbelt und die Wärme vorwiegend nach oben unter die Decke steigt. Gleichzeitig entweicht die warme Luft durch offene Türen und Lagertore und verringert die Heizleistung spürbar. Stattdessen bieten sich energieeffiziente Alternativen an.
 

Strahlungsheizungen

Strahlungsheizungen, die nach dem Prinzip der Sonne mit Infrarotwärme arbeiten, gibt es in unterschiedlichen Bauweisen:

  • Hellstrahler: Hochtemperaturstrahler, die sehr hohe Oberflächentemperaturen erzeugen und so eine Mindestdeckenhöhe erfordern. Das Gas-Luft-Gemisch verbrennt innerhalb einer Brennerplatte, die Abgase gelangen zunächst in die Halle und müssen abgeführt werden.
  • Dunkelstrahler: Hier strahlen die Rohre nicht sichtbar, die Oberflächentemperatur ist entsprechend geringer. Sie verfügen über einen zusätzlichen Reflektor zur Verteilung der Wärme und einen Ventilator am Ende des Stahlrohres, der die Abluft ins Freie leitet.
  • Deckenstrahlplatten: Mehrere Rohre auf einer Metallplatte verteilen die Wärme, wobei die Wärmeleitung über Warm- oder Heißwasser sowie Dampf erfolgen kann. Da hier geringere Temperaturen vorherrschen, ist eine vergleichsweise große Fläche erforderlich.
     

 

 

Allen gemein ist, dass sie nicht die Raumluft aufheizen, sondern durch die Strahlung auf Maschinen, Bauteile und Menschen einwirken. Das Temperaturempfinden ist damit bei geringen Lufttemperaturen angenehmer, Zugluft bleibt aus.
 

Vorteile Nachteile
  • gleichmäßige horizontale und vertikale Temperaturverteilung
  • vergleichsweise geringer Wärmebedarf
  • keine Zugluftbildung und Staubaufwirbelung
  • keine Lärmemission
  • kurze Aufheizzeiten
  • einfache Montage im Regelbetrieb möglich
  • wartungsarm
  • Beheizen von Teilbereichen möglich
  • Deckenstrahlplatten eignen sich auch für das Beheizen explosionsgefährdeter Bereiche
  • modulare Erweiterung möglich
  • gegebenenfalls separates Zuführen von Frischluft notwendig
  • Mindesthöhe erforderlich
  • jährliche Mess- und Überprüfungspflicht der Abgasanlage (bei Dunkelstrahlern)
  • Für die Wärmeerzeugung bei Deckenstrahlplatten bedarf es eines eigenen Heizraums
  • ggf. muss die Deckenkonstruktion zum Einbau von Deckenstrahlplatten verstärkt werden

Warmlufterzeuger

Warmlufterzeuger erfreuen sich aufgrund der parallelen Nutzungsmöglichkeit als Entlüftung einer großen Beliebtheit. Die Wärmeübertragung erfolgt dabei im Wesentlichen durch eine konvektive Übertragung des Warmlufterzeugers an die Raumluft. 
Zu unterscheiden sind dabei direkte, gasbetriebene Systeme und Erzeuger mit einer indirekten Beheizung. Direkt betriebene Systeme erzeugen die Warmluft unmittelbar an Heizflächen im Gerät, während bei indirekten Heizungen ein Heizkessel zum Einsatz kommt, von dem aus ein Trägermedium die Warmluft an die Luftauslässe leitet. Hier wird die angesaugte Luft erwärmt und wieder in die Halle geleitet.
Bei gasbeheizten Warmlufterzeugern gibt es Geräte mit und ohne Wärmeübertrager, wobei stets eine Brennkammer vorhanden ist. Die entweder aus dem Raum oder dem Freien angesaugte Luft wird über den Wärmeübertrager geleitet und nimmt dort die erzeugte Wärme auf. Das Ableiten der Abgase erfolgt dabei entweder über den natürlichen Auftrieb oder mithilfe eines Ventilators ins Freie. Der Wirkungsgrad dieser Heizungen ist höher als bei indirekten Heizungsanlagen.
 

Vorteile Nachteile
  • Be- und Entlüftungsfunktion
  • schnelles Aufheizen von Hallen mit geringer Speichermasse
  • gleichmäßige Temperaturverteilung durch Ventilatoren
  • kein Einfrieren der Geräte möglich
  • hohe Luftgeschwindigkeiten im Ausblasbereich führen zu Zugluft und Staub
  • hohe Lärmemission durch Ventilatoren
  • keine Beheizung von Teilbereichen möglich
  • Lufttemperatur, Wärmebedarf und Stromverbrauch sind höher als bei anderen Heizsystemen

Fußbodenheizungen

Bei Fußbodenheizungen werden Leitungen im Estrich verlegt, durch die Heizwasser strömt. Dieses erwärmt den Boden, der die Wärme an den Raum abgibt. Der Einbau eignet sich damit für alle Bereiche, in denen eine gleichmäßige Beheizung erforderlich ist. Unterscheiden lassen sich grundsätzlich drei Verlegesysteme:

  • Verlegung der Rohre im Nassestrich
  • Verlegung der Rohre unterhalb des Nassestrichs
  • Verlegung der Rohre unterhalb des Trockenestrichs
     
Vorteile Nachteile
  • kein Aufwirbeln von Staub
  • gleichmäßige Beheizung des Raums
  • geringe Vorlauftemperaturen und minimale Verteilungsverluste
  • geringere Lufttemperatur für angenehmes Raumklima
  • auch im Bereich explosionsgefährdeter Stoffe möglich
  • vergleichsweise träge Reaktion
  • ggf. Einschränkungen in Bereichen mit Fahrzeugverkehr

Befeuerungsarten von Hallenheizungen

Erdgas ist aktuell der Energieträger Nummer 1, um Hallenheizungen zu betreiben. Der Brennstoff überzeugt durch eine hohe Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und eine umweltschonende Energieerzeugung. Gleichzeitig entstehen durch die Nutzung von Erdgas teilweise erhebliche Kostenvorteile gegenüber anderen Befeuerungsarten. So ist kaum verwunderlich, dass Gas bei den meisten Heizsystemen genutzt wird, um die Wärmeleitmedien zu erhitzen.

Hallenart Warmlufterzeuger Hellstrahler Dunkelstrahler Deckenstrahlplatten Fußbodenheizung
Ausstellungshallen + o o o o
Montagehallen + + + + +
Produktionshallen + + + + o
Lagerhallen + o + o -
Stahlhallen o o + + o
Sporthallen + o + o o

+ geeignet o bedingt geeignet - nicht geeignet

Ergänzung der Hallenheizung um Torschleieranlagen

Stehen bei Logistik- und Werkstatthallen Tore über einen längeren Zeitraum offen, entweicht Warmluft nach draußen – die Raumtemperatur verringert sich und Zugluft entsteht. Hier empfiehlt sich unter Umständen der zusätzliche Einbau einer Torschleieranlage, die durch ihren Luftstrom eine Barriere schafft, die den Austausch von Warm- und Kaltluft wirkungsvoll verhindert.
 

Fazit

Hallenheizung sind für alle Arten von Lager-, Produktions- und Industriehallen von großer Relevanz. Allerdings eignen sich nicht alle Heizungsanlagen für jeden Hallentyp. Um die optimale Heizungsart für Ihre Halle zu ermitteln, empfiehlt sich im Vorfeld eine Beratung durch Experten. Nur so lässt sich das geeignete System für die maximal energieeffiziente Beheizung der Halle ermitteln. Als entscheidende Aspekte sind hier beispielsweise zu nennen:

  • Nutzungsart
  • Betriebsweise
  • bauliche Verhältnisse
  • Bauweise der Halle
  • innere Wärmelasten

 

 

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