Dacheindeckungen für Stahlhallen

Das Dach eines Gebäudes schützt die innenliegenden Räume vor Sonne, Witterung und Feuchtigkeit. Bei beheizten Gebäuden trägt das Dach zudem dazu bei, Wärmeverluste aus dem Inneren nach außen zu minimieren. Die Montage von Lichtkuppeln oder -bändern ermöglicht den Tageslichteinfall ins Gebäude sowie die Nutzung brandschutztechnischer Anlagen in Form des RWA.
 

Stahlkonstruktionen im Hallenbau ermöglichen große Spannweiten - entsprechend groß ist auch die Dachfläche einer Stahlhalle, die bei möglichst geringem Materialgewicht hohen Belastungen wie Wind- und Schneelasten standhalten muss. Demzufolge bedarf es einer tragfähigen Dachkonstruktion, auf der letztlich die Dachhaut, d. h. die Dachabdeckung aufgebracht wird.
 

Dachformen für Stahlhallen

Für Stahlhallen stehen unterschiedliche Dachformen zur Verfügung, um für jede Nutzungsform die optimale Lösung zu bieten. Daneben wirken sich die Wahl der Dachform und der Dachneigung beispielsweise auf die Berechnung von Schnee- und Windlasten aus.
 

Satteldach


Beim Satteldach treffen zwei gegeneinander geneigte Dachflächen am höchsten Punkt des Gebäudes, dem First, aufeinander. Durch die beiden rechtwinkligen Dachflächen ist sowohl der Aufwand für die Tragkonstruktion als auch die Dacheindeckung gering. Ein weiterer Vorteil ergibt sich durch die Beständigkeit gegen Witterungseinflüsse, da die Steigung meist so groß ist, dass Niederschläge rasch abfließen.

Nachteile von Satteldächern ergeben sich hingegen in Verlusten bei der Gebäudenutzung, da der obere Bereich einen „toten Raum“ darstellt. Auch hinsichtlich der Belüftungsoptionen ist ein Satteldach eingeschränkt, da ausschließlich Dach- und Giebelfenster für Tageslicht im Innern sorgen können.
 

Pultdach


Ein Pultdach besteht aus einer einseitigen Schräge, deren unterer Punkt über die Traufe, der obere über den First definiert ist, d. h. die Wandhöhe ist auf der einen Seite höher als auf der anderen. Dabei erfolgt die Ausrichtung für gewöhnlich zur Wetterseite hin, um einen zusätzlichen Schutz vor Schnee, Regen und Wind zu bieten. Eine Ausnahme bilden Pultdächer, die mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet sind - hier erfolgt eine Ausrichtung gen Süden. 

Pultdächer verfügen meist nur über eine geringe Dachneigung und müssen damit größere Schneelasten aufnehmen als beispielsweise steile Satteldächer. Bei Dächern mit einer Solaranlage hat sich eine Neigung von 32° als optimal erwiesen.

Während Pultdächer bei historischen Bauten kaum anzutreffen sind, kommen sie seit der Industrialisierung verstärkt im Gewerbe- und Industriebau zum Einsatz. Ein Vorteil dieser Dachform ist dabei neben der kostengünstigen Bauweise die gute Ableitungsfunktion von Regenwasser.
 

Flachdach mit Attika


Eine Attika bezeichnet ursprünglich die Verlängerung der Außenwand über den eigentlichen Dachrand hinaus, um die Sicht auf das eigentliche Dach zu verhindern. Zahlreiche Beispiele für die Ausbildung einer Attika finden sich bereits in der Antike. Heute ist die Attika meist in Form einer Balustrade verbreitet, um ein etwas nach hinten versetztes Dachgeschoss um einen umlaufenden Gang oder eine Dachterrasse zu ergänzen. 

Im Hallenbau dient die Attika nicht selten brandschutztechnischen Anforderungen, um bei Flachdächern ein Überschlagen des Feuers aus dem oberen Geschoss auf das Dach zu verhindern.

Als Flachdach gilt dabei jede Dachform mit einer Dachneigung von weniger als 10° (Österreich: 5°). Empfohlen ist laut der Flachdachrichtlinie eine Neigung von mindestens 2°, wobei die Dachabdichtung laut DIN18531 Flachdächer mit Neigungen <3° und zwischen 3 und 5° unterteilt.
Gegenüber anderen Dachformen verfügen Flachdächer über mehrere Vorteile:

 

  • geringes Eigengewicht
  • zusätzliche Nutzungsmöglichkeit der Dachfläche
  • Belichtung des Innenraums durch Lichtkuppeln
  • kostengünstige Bauweise
  • große Gestaltungsfreiheit in Bezug auf den Grundriss

Dem gegenüber stehen Nachteile wie die Wartungsintensität, häufige Probleme mit Feuchtigkeits- oder Altersschäden oder die hohe Belastung durch mögliche Schneelasten. Dies bedingt sich unter anderem durch die unsachgemäße Dachabdichtung mit Bitumen, die im Gegensatz zum Steildach, bei dem der Wassertransport über die Dachabdeckung erfolgt, absolut dicht sein muss, um stehendes Wasser vom Eindringen abzuhalten. Eine Alternative stellt hier für Dächer ab 3° Neigung die Dacheindeckung mit Stahlblechen dar, die den Vorteil haben, absolut wasser- und gasdicht zu sein.
 

Wärmedämmung für Stahlhallen-Dächer

Während einige Hallentypen mit ungedämmten Dächern auskommen, da sie lediglich einen Witterungsschutz bieten, bedarf es bei Produktionshallen, Autohäusern oder auch Bürogebäuden eines gedämmten Daches. Hier unterscheidet man entsprechend der Lage der tragenden und dämmenden Materialien nach einschaligen und zweischaligen Dächern sowie Umkehrdächern. 
 

Sandwichelemente


Wie auch bei der Wandverkleidung von Stahlhallen eignen sich Sandwichpaneele für die Dacheindeckung. Der Schaumkern dieser Elemente sorgt bereits bei einem geringen Eigengewicht für eine Wärmedämmung, die aktuellen Anforderungen der EnEV entspricht. Die beiden äußeren Schichten aus Trapezblech tragen zur Witterungsbeständigkeit bei Schnee und Regen bei und bieten in Kombination mit dem schubsteifen Kern sowohl eine hohe Steifigkeit als auch Tragfähigkeit.
Weitere Vorteile von Sandwichpaneelen sind die schnelle Montage sowie eine kostengünstige Bauweise bei gleichzeitig geringem Eigengewicht, sodass sich die Elemente für alle Dachformen gleichermaßen eignen.
 

Blecheindeckungen für Stahlhallen-Dächer

Für Hallenbauten, die mit einer Stahlkonstruktion erstellt wurden, eignet sich eine Dacheindeckung mit Well- oder Trapezblechen. Dabei sind sowohl gedämmte als auch ungedämmte Varianten möglich.
 

Trapezbleche


Die Einsatzbereiche von Trapezblech im Industriebau sind vielfältig. So kommen die gekanteten Profile als Wand-, Decken- und Dachkonstruktionen vor. Die Herstellung der 0,35 - 1,5 mm dicken Stahlbleche beziehungsweise 0,5 - 1,2 mm starken Aluminiumbleche erfolgt im Kaltverformungsverfahren als Endlosprofile, sodass eine Ablängung nach Bedarf möglich ist. 

Durch das Aufkanten des Bleches vergrößert sich die mögliche Spannweite gegenüber einem ebenen Blech um mehr als das Zehnfache, während der Materialbedarf sich lediglich verdoppelt. Damit sind Trapezbleche ideale Dacheindeckungen für Industriehallen mit großen Spannweiten. Die erforderliche Dimensionierung des Bleches ergibt sich dabei aus der Auflast der Stützungen sowie der Spannweite.

Verzinken und Bandbeschichten dient dem Korrosionsschutz und bietet durch zahlreiche Farbvarianten den Vorteil einer individuellen Gestaltung des Gebäudes.

Ungedämmte Dacheindeckungen mit Trapezblech neigen zur Bildung von Kondenswasser an der Innenseite der Decke. Hier sind spezielle Vliese erhältlich, die Kondenswasser aufsaugen und damit verhindern, dass das Wasser von der Decke tropft. 

Insgesamt bieten Trapezbleche im Industrie- und Hallenbau damit zahlreiche Vorteile:

  • geringes Gewicht
  • geringe Herstellungskosten
  • vorgefertigte, auf Maß geschnittene Elemente und selbstschneidende Schrauben ermöglichen schnelle Montage
     


Der wellenförmige Querschnitt eines Wellbleches bietet bereits bei einer geringen Dimensionierung eine hohe Steifigkeit und Tragfähigkeit. Der Einsatz der leicht und schnell zu montierenden Bleche erfolgt vor allem bei ungedämmten Hallen als Witterungsschutz.
 

Tageslicht durch das Dach nutzen

Bei Satteldächern bietet sich die Möglichkeit Oberlichter oder auch Lichtkuppeln zu nutzen, die sich in jedes Dach einsetzen lassen. Für arbeitsschutzrechtliche Anforderungen bezüglich der Tageslichtzufuhr am Arbeitsplatz, können diese als einzelne Elemente so wie auch als durchlaufende Bänder eingebaut werden.

Darüber hinaus ist durch das Anbringen von Fenstern im Dach die Option der Ablüftung im Brandfall gegeben. So dienen Rauch-Wärme-Abzugsanlagen dem vorbeugenden Brand- und Personenschutz, da sie im Brandfall zum einen die Widerstandsdauer des Gebäudes durch die Wärmeabfuhr erhöhen, zum anderen Rauch und Brandgase aus dem Gebäude ableiten.
 

Dachentwässerung


Die Grundlage für ein langlebiges Dach beziehungsweise auch die Unversehrtheit der Gebäudehülle ist eine funktionierende Dachentwässerung. Zur Gesamtheit der Dachentwässerung zählen dabei 

  • die Traufe zur Befestigung der Regenrinne
  • Regenrinne
  • Rinnenhalter
  • Sieb oder Gitter für das Fallrohr, um ein Eindringen von Fremdstoffen zu verhindern
  • Fallrohr
  • Ablauf als Verbindung mit der Kanalisation
     

Der Klassiker der Dachentwässerung eines Steildaches ist die Regenrinne mit einem integrierten Fallrohr, das das gesammelte Wasser zum Boden führt. Daneben gibt es Ortgangrinnen, auf der Dachfläche aufliegende Rinnen und innenliegende Rinnen, die jeweils in halbrunder, kastenförmiger oder keilförmiger Form erhältlich sind. 

Bei Flachdächern sorgt eine Art Gully an einem Tiefpunkt des Daches für die Wasserabfuhr, wobei hier stets ein Notablauf einzuplanen ist und eine dauerhafte Dachabdichtung an entsprechender Stelle gewährleistet ist.

Die Dimensionierung der Dachentwässerung folgt der DIN 1986-100. Entscheidend sind die Dachfläche, Rinnenlänge und -winkel oder auch Abflussbeiwert (die Verzögerung zwischen Regenaufprall und Abfluss). Als Materialien eignen sich insbesondere Zink und verzinktes Stahlblech, die beide nach der Montage fast vollkommen wartungsfrei sind. Daneben sind die DIN 612 und DIN 12056-3 für Planung und Dimensionierung von Dachentwässerungssystemen relevant.
 

Zusätzliche Dachaufbauten

Neben der reinen Tragkonstruktion und der Dacheindeckung besteht ein Dach aus weiteren Elementen. Dazu gehören unter Umständen Blitzableiter, Antennen für die Kommunikation oder Schneefanggitter. Unabdingbar ist zudem die Ableitung der Abluft aus dem Gebäudeinneren, was unter anderem über einen Schornstein auf dem Dach erfolgen kann. Daneben erfreuen sich Photovoltaikanlagen einer immer größeren Verbreitung. 


Photovoltaikanlagen


Solarmodule auf dem Dach sind vor allem in sonnreichen Regionen immer beliebter. Bei einer Ausrichtung des Daches gen Süden können sie erheblich zur Reduzierung der anfallenden Energiekosten beitragen. Vor allem bei großflächigen Pultdächern von Industriehallen oder Stahlhallen landwirtschaftlicher Betriebe lohnt sich die Montage einer solchen Anlage unter Umständen.
 

Durch die Möglichkeit, überschüssigen Strom in das Stromnetz einzuspeisen, amortisiert sich die Investition der Anlage relativ schnell, sodass eine Solaranlage langfristig gesehen erheblich zur Einsparung von Energiekosten beitragen kann.
 

Die Ausformung des Daches bietet mit einer Vielzahl von Möglichkeiten eine Lösung für jeden individuellen Bedarf - von der Dämmung über die Wahl der Dachform bis hin zur farbigen Dacheindeckung sind damit vielfältige Stahlhallen verfügbar, die jedem Unternehmenswunsch gerecht werden.
 

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