Was muss beim Bau einer Halle für ein Autohaus berücksichtigt werden?

Ein Autohaus beherbergt in einem einzigen Gebäude ganz unterschiedliche Nutzungsbereiche, mit denen jeweils spezifische Anforderungen an Gestaltung und rechtliche Rahmenbedingungen einhergehen. 

  • Kundenbereich - das Aushängeschild des Autohauses gegenüber den Kunden und repräsentative Verkaufsfläche
  • Büro- und Verwaltungsräume der kaufmännischen MitarbeiterInnen
  • Sozialräume zur Nutzung durch die MitarbeiterInnen
  • Lagerfläche
  • Werkstatt - hier sind vor allem arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen relevant
  • ggf. Außenbereich als zusätzliche Präsentationsfläche für Fahrzeuge, Lagerfläche oder Abstellplatz zur Abfallsammlung

In vielen Bundesländern sind Autohäuser nicht genehmigungspflichtig, d. h. es findet während der Planungsphase keine Intervention durch Bauaufsicht oder Arbeitsschutzbehörde statt, die den Bauherrn auf gesetzliche Anforderungen während der Nutzung hinweisen. Versäumt man hier, zentrale Anforderungen zu erfüllen, ist die Nachrüstung des Neubaus oft zeit- und kostenintensiv. Gut beraten ist also, wer sich bereits vor der Bauphase mit den spezifischen Anforderungen auseinandersetzt.
 

Vorüberlegungen beim Autohaus-Bau


Vor dem Bau steht die Entwicklung einer langfristigen Strategie - schließlich stellt ein Autohaus eine respektable Investition dar, die sich lohnen soll. So stehen am Anfang Fragen wie: Soll eine Ausweitung zugunsten weiterer Fabrikate erfolgen? Werden durch den Neubau zusätzliche Zielgruppen angesprochen und steigt der Kundenkreis dadurch? Ist künftig gegebenenfalls eine Werkstatterweiterung geplant?

In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage nach dem Standort: Ist der Standort dauerhaft attraktiv? Wie ist es um die Erreichbarkeit für KundInnen und Zulieferer bestellt? Bietet die Standortwahl Optionen für Erweiterungsbauten? Schränkt ein Bebauungsplan die Planungen ein?

Natürlich hat auch die Marke ein Mitspracherecht - sofern das Autohaus nicht markenunabhängig gleich mehrere Fabrikate anbietet. Jedes Unternehmen strebt einen möglichst hohen Wiedererkennungswert an, dieser äußert sich logischerweise auch in Vorgaben zur Gestaltung der Halle und dem Design der Präsentationsfläche.
 

Bedarfsanalyse für ein Autohaus


Über die spätere Größe und Form der Halle entscheidet vor allem der Bedarf. Nichts ist ärgerlicher, als Betriebskosten für überflüssigen Raum zu zahlen oder umgekehrt festzustellen, dass der Neubau viel zu knapp bemessen wurde. So gilt es zu bedenken:

  • Zahl der kaufmännischen MitarbeiterInnen, d. h. Bedarf an Büroarbeitsplätzen
  • Anzahl der Autos, die auf der Verkaufsfläche präsentiert werden
  • Lagerbedarf für Winterräder oder Ersatzteile
  • Ist ein zusätzlicher Autoteile-/Zubehör-Shop geplant?
  • Zahl der Arbeitsplätze für VerkaufsmitarbeiterInnen
  • Anzahl der Werkstattarbeitsplätze
  • Bedarf an überdachten Außenflächen
  • Abstellflächen für Abfallbehälter

Daneben gilt es, den Neubau als Chance zu nutzen, um Arbeitsabläufe zu optimieren. Schließlich kostet jeder Meter, den die Angestellten zu viel zurücklegen, Zeit und Geld. Es lohnt sich also durchaus, die täglichen Wege zwischen Werkstatt und Lagerfläche zu berücksichtigen und die Hallenbereiche strategisch günstig zu positionieren.

Baurechtliche Vorschriften und Genehmigungen 


In Deutschland ist nahezu alles gesetzlich geregelt. Es ist demnach grob fahrlässig, sich im Vorfeld nicht ausreichend über die erforderlichen Rahmenbedingungen zu informieren und gegebenenfalls entsprechende Genehmigungen einzuholen. Das können beispielsweise sein:

  • Nutzungsänderung: Unterscheidet sich die künftige Nutzung auf dem Gelände „wesentlich“ von vorangegangener, bedarf es einer Genehmigung über die Nutzungsänderung. Formal betrachtet ist dies ein Bauantrag, den unter Umständen ein Architekt oder vorlageberechtigter Bauingenieur beim zuständigen Bauamt einreichen muss.
  • Umweltrechtliche Genehmigungen für bauliche Anlagen, standortgebundene Anlagen und Tätigkeiten, z. B. für Lackieranlagen, Ölabscheider, regelmäßige Prüfungen für Hebebühnen
  • Anforderungen des Arbeitsstättenrechts
  • EnEV
  • ggf. Genehmigungen für eine Zwischenlagerung von Abfällen, gewerbliche Abwässer

Vor allem das Arbeitsstättenrecht gibt bauliche Rahmenbedingungen vor.
 

Arbeitsstättenrecht


Sobald ein Unternehmen MitarbeiterInnen beschäftigen, treten zahlreiche Anforderungen an die Arbeitsumgebung in Kraft. Der Arbeitgeber hat hiernach für ein gesundes Betriebsklima zu sorgen und entsprechende Maßnahmen zum Angestelltenschutz zu treffen. Hierzu zählen beispielsweise:

  • Toiletten und Sozialräume (Umkleideräume, Duschen, Pausenraum)
  • Notausgänge mit Öffnung in Fluchtrichtung, Fluchtwege und -kennzeichnung, Verkehrswege
  • Lüftung der Betriebsräume, besondere Regelungen für Gase, Dämpfe, Staub und Rauch; Absaugvorrichtungen für Abgase
  • Vermeidung von Rangierfahrten innerhalb der Werkstatt bei Dieselfahrzeugen
  • separater Raum für AU zum Schallschutz 
  • Brandschutz bei Bauteilen, Ausstattung mit Feuerlöschern
  • separate Lagerung von Lacken und Lösemitteln in feuerbeständigen Räumen mit ausreichender Belüftung
  • Tageslichtausstattung in Arbeitsräumen einschließlich der Werkstatt
  • Beleuchtung
  • Sicherheitskennzeichnung und -beleuchtung 
  • Beschaffenheit von Böden (Rutschfestigkeit)
  • Raumtemperatur
  • Abmessungen und Bewegungsflächen
  • Anforderungen an die Barrierefreiheit

Eine ausführliche Broschüre zu baurechtlichen Zulässigkeiten und Anforderungen an Arbeitsräume hat die AG der Handwerkskammern Baden-Württemberg veröffentlicht. 
 

Energie-Einsparungsverordnung


Nicht nur der Arbeitsschutz steht bei der baulichen Konzeption weit vorne - auch eine energetisch effiziente Bauweise spielt eine wachsende Rolle bei den Richtlinien für Bauherren. Zudem sollte die Einsparung von Energie im wirtschaftlichen Interesse eines jeden Betreibers eines Autohauses sein, da die Kosten stetig steigen. 

Bei einem Neubau zu berücksichtigen sind dabei z. B. die ausreichende Wärmedämmung von Wänden und Decken, um größere Verluste der Gebäudehülle zu verhindern, die Nutzung von Brennwertkesseln bei Heizungsanlagen, der Einbau isolierter Fenster und Türen, die Nutzung von Wärmetauschern usw.
 

Technische Ausstattung


Ein Autohaus benötigt nicht in allen Hallenbereichen die gleiche technische Ausstattung. Bei der Planung zu berücksichtigen sind damit die Anforderungen an die technischen Anlagen. Dazu gehören:

  • Stromversorgung, d. h. elektrische Leitungen, Zähler, Sicherungen, Steckdosen / Anschlussdosen für Stromverbraucher (Reserven einplanen)
  • Wasseranschluss und -entnahmestellen
  • Anschluss für Energieträger: Gasanschluss, Flüssiggastank, Heizöltank, Lager für Brennholz oder Pellets
  • Stromzähler, Wasseruhren, Gaszähler
  • Beleuchtungsanlagen
  • Raumheizung (Fußboden- oder Wandheizung, Deckenheizung, Konvektionsheizkörper)
  • Lüftung und Klimaanlagen
  • Absauganlagen 
  • Kommunikationstechnik (Telefon und Internet)
  • Sicherheitstechnik (Alarmanlage, Brandschutzmelder)
     

 

 

Besonderheiten der Hallenbereiche


Mit jedem Nutzungsbereich in einem Autohaus gehen ganz unterschiedliche Anforderungen einher, die bei Planung und Gestaltung bedacht werden müssen, um im späteren Betrieb optimale Arbeitsvoraussetzungen zu schaffen.


Kundenbereich 


Der Kundenbereich ist das Aushängeschild des Autohauses bzw. der Marke. Hier gewinnt ein potenzieller Käufer einen ersten Eindruck und fällt im Lauf des Verkaufsgespräches eine Kaufentscheidung. Entsprechend liegt der Fokus hier auf dem ästhetischen Aspekt - Präsentation und Wohlfühlcharakter stehen im Vordergrund dieses Bereichs. Das gilt sowohl für die Präsentationsfläche der Autos, als auch die Arbeitsplätze der VerkaufsmitarbeiterInnen, Wartebereiche und die Wegeflächen.

Möglicherweise bietet der Kundenbereich auch einen separaten Shop für Zubehör. Dieser ist meist etwas weniger repräsentativ gestaltet, sollte sich jedoch harmonisch in das Gesamtbild einfügen - schließlich besteht eine direkte Assoziation zur Marke.


Büro- und Verwaltungsräume 


Die Arbeitsplätze für die kaufmännischen MitarbeiterInnen sind meist weniger pompös gestaltet als die Arbeitsplätze im Verkauf. Nichtsdestotrotz gilt auch hier: MitarbeiterInnen, die sich wohl fühlen, arbeiten effektiver und sind seltener krank. Bei der Planung der Büros gilt es also, nicht rein funktional zu denken, sondern auch innovative Gestaltungskonzepte einfließen zu lassen. 

  • Vielleicht ist neben den klassischen Einzelbüros ja ein Gemeinschaftsarbeitsplatz förderlich für das Teambuilding?
  • Raumaufteilung
  • Umkleiden, Duschen, Sozialräume
  • ausreichend Versorgung mit Tageslicht
  • angenehmes Raumklima durch Lüftung, Heizung, Klimaanlage
Lagerfläche


Im Lager des Autohauses können ganz unterschiedliche Materialien liegen. Vom ganzjährigen Reifenlager, das kaum einer Berücksichtigung dämmender Wandmaterialien bedarf, über explosive Gefahrstoffe bis hin zum Lagerplatz für sensible Autoelektronik ist alles möglich. Es gilt also, sich bereits in der Planungsphase zu entscheiden, welche Güter dauerhaft geschützt einen Platz finden sollen und die bauliche Ausführung an den jeweiligen Erfordernissen auszurichten.

Außenbereich 


Überdachte Stellfläche für Fahrzeuge im Außenbereich, zusätzlicher Lagerplatz oder ein witterungsgeschützter Raum für die Abfallsammlung - möglicherweise gibt es im Außenbereich zusätzlichen Bedarf an einer Überbauung mit einer Dachkonstruktion. Vor allem die Abfalllagerung ist bei Autohäusern nicht zu unterschätzen - vom Altreifen bis zur ausgedienten Batterie fällt bei der Reparatur einiges an Reststoffen an.

Werkstatt 


In der Werkstatt steht die Funktionalität im Fokus der Planung. Wege zwischen Lager, Arbeitsplatz und Material sind im Optimalfall kurz, gleichzeitig liegt das Augenmerk auf der Gesundheit des Angestellten. So spielen hier Schallschutzmaßnahmen ebenso eine Rolle wie Lüftungs- und Absauganlagen und die Ausstattung der Werkstatt mit rückenschonenden Hebebühnen oder Arbeitsgruben.

Daneben ist die ausreichende Tageslichtzufuhr in der Werkstatt relevant. Diese kann durch Fenster, Oberlichter oder auch Türe und Tore erfolgen, sofern diese mit transparenten Öffnungen ausgestattet sind. Die Auswahl der Tore erfolgt ebenfalls mit dem Blick auf gesunde Mitarbeiter, d. h. geeignete Heizungsanlagen kompensieren die eindringende Kälte des häufigen Öffnen und Schließens im Winter.

Besondere Anforderungen stellt der Gesetzgeber an Lackierräume, denn die giftigen Dämpfe bergen eine ganz besondere Gesundheitsgefahr. Eine zusätzliche Abschottung durch feuerbeständige Wände und Türen und leistungsstarke Absauganlagen sind hier unverzichtbar.

Vorteile eines Stahlhallen-Autohauses


Gegenüber der Massivbauweise ist eine Stahlhalle kostengünstig. Die Trägerkonstruktion, die den Rahmen der Gebäudehülle bildet, hat sie den Vorteil großer Spannweiten - in der Halle stören keine Stützpfeiler den späteren Betriebsablauf.

Darüber hinaus verkürzt sich die Bauphase im ein Vielfaches: Die vorgefertigten Träger tragen dazu bei, dass die Stahlhalle binnen weniger Wochen bezugsfertig ist. Gleichzeitig besteht die größtmögliche Flexibilität hinsichtlich der Achsmaße und der Gebäudehöhe. Der Bauherr ist bei der Gestaltung des Autohauses damit keineswegs eingeschränkt.

Das gilt auch für die gewünschte Form der Wärmedämmung: Von ungedämmten Bereichen, die lediglich dem Wetterschutz dienen, bis hin zu gut isolierten Arbeitsbereichen in Büro und Verwaltung kann jeder Arbeitsbereich optimal ummantelt werden.

Durch eine Vielzahl unterschiedlicher Türe, Tore und Fenster ist nicht nur für eine ausreichende Zufuhr mit Tageslicht gesorgt, auch lassen sich Arbeitsabläufe perfekt organisieren - und das, ohne auf eine individuelle Gestaltung des modernen Gebäudes zu verzichten: Durch eine große farbliche Bandbreite verschiedener Stahlbleche ist die einzigartige Außenwirkung der Marke gegenüber den Kunden sicher!

Die Planung eines Autohauses ist ein komplexes Unterfangen, bei dem viele Fehler unterlaufen können, deren Beseitigung später teuer ist. Es lohnt sich, die Planung und Durchführung direkt in die Hände eines Fachbetriebes zu legen.

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